Zurzeit streiken französische Fischer im Ärmelkanal, weil sie die Fangquoten zu niedrig finden, welche die EU für Kabeljau und Seezungen verhängt hat. Angeblich sehen die Fischer sich in ihrer Existenz bedroht. Wie tragisch! Ein Fischer könnte seinen Job verlieren! Leider empfinde ich aufgrund dieser Meldung kein Mitleid mit den Fischern sondern nur Entsetzen über diese unglaublich, kurzfristige Sichtweise. Also noch mal für die Fischer: Wenn in diesem Jahr noch mehr von den ohnehin schon fast verschwundenen Arten gefischt wird, was wollen sie dann in 3 oder 5 Jahren fangen, wenn die Bestände endgültig zerstört sind? Dann haben sie alles aus dem Meer gezogen was nur geht und wundern sich dass ihnen nichts mehr ins Netz geht? Dann werden sie erst recht arbeitslos.
Wenn die EU Verbote verhängt, ist es eh meistens schon zu spät, in diesem Fall wahrscheinlich für Kabeljau und Seezungen.
Ein noch weitaus schlimmeres Los hat der Blauflossen Thunfisch gezogen, nach neuesten Meldungen des WWF wird diese Fischart im Mittelmeer in drei Jahren ausgestorben sein. Allein in den vergangenen 50 Jahren haben sich die Bestände, dank des industriellen Fischfangs um 75 % reduziert. An diesem Beispiel zeigt sich die absolute Ignoranz gegenüber der Natur durch die westlichen „hoch entwickelten Länder“. Die Fangsaison beginnt traditionell Mitte April, dass um diese Zeit auch die Laichsaison der Fische beginnt scheint niemanden zu interessieren. Wie sollen sich die Fischbestände erholen, wenn tragende Fische mitsamt ihrer Brut zu Dosenthunfisch verarbeitet werden?
Allein Monaco hat den richtigen Schritt getan und alle Produkte dieses Fisches aus den Regalen verbannt, was ich absolut vorbildlich finde. Wenn sich nur die Hälfte der EU Staaten Monaco zum Vorbild nähme, könnte der Blauflossen Thunfisch wahrscheinlich gerettet werden. Es ist jedoch zu bezweifeln, dass dies in Erwägung gezogen wird, da ein großer wirtschaftlicher Schaden für die Fischindustrie entstehen würde, der viel größere Schaden an der Natur wird dabei gerne übersehen. Hauptsache es wird auf Kosten der Natur Geld verdient.
Auch wenn die Staaten nicht zum Verzicht aufrufen, kann doch etwas getan werden.
Wem von uns würde es ernsthaft schaden auf Thunfisch zu verzichten? Wir leben bekanntlich im Überfluss und es gibt zahlreiche Alternativen. Für diejenigen die nicht ganz auf Fisch verzichten möchten, geben Greenpeace und der WWF Listen der bedrohten und besser nicht genießbaren Fische heraus und man kann sein Konsumverhalten entsprechend anpassen.
Oder einfach mehr Gemüse essen.
Denn wer ist hier wortwörtlich in seiner Existenz bedroht: die Fischer oder die Fische?
